Beethovenplatz, Bahnhof(straße), Schlossplatz Saarbrücken - Pogromnacht 1938

Wie im ganzen Deutschen Reich, gab es auch in Saarbrücken am 9. November 1938 zahlreiche Ausschreitungen, Plünderungen von Wohnungen und Geschäften, Brandstiftungen wie z.B. in der Synagoge sowie gewaltsame Übergriffe auf jüdische Mitbürger*innen in Saarbrücken.

„Am Abend des 9. November 1938 fand zunächst eine Gedenk­feier der SS am Saarbrücker Schloss statt, anschließend erging von der SS-Standarte 85 der Befehl an Untergruppierungen, sich für konkrete Aktionen bereitzuhalten. Im Laufe der Nacht überfielen zivilgekleidete SS-Angehörige jü­dische Familien, die Männer wurden mit Gewalt aus den Woh­nungen geholt und auf dem Beethovenplatz zusammengetrieben.

Der Kaufmann Josef Kola, der damals in der Mainzer Straße 14 wohnte, sagte im Prozess 1949 folgendes aus:

‚Dort stellte man uns mit dem Gesicht gegen die Wand. Durch den Schlag, den ich ins Gesicht bekommen hatte, war meine rechte Gesichtshälfte völlig angeschwollen […]. Während wir mit dem Gesicht zur Wand standen, und zwar in der Erwartung, daß wir, wie SS-Leute hinter uns sagten, sofort erschossen wür­den, hörten wir, wie immer mehr Menschen heran kamen. […] Mit diesen wurden wir zunächst zum Bahnhof geführt.‘

Hier waren bereits 130-150 verhaftete Juden aus dem ganzen Saarland versammelt.

Einem Mann wurde eine Trommel umgehängt, auf der er schla­gen musste; der Marsch ging weiter zur zerstörten Synagoge, wo die Gruppe gezwungen wurde, zu singen und zu tanzen. Der Weg führte anschließend über den Rathausplatz, wo alle mit kaltem Wasser bespritzt wurden, zum St. Johanner Markt und nochmals über den Bahnhofsplatz bis zum Schloss.

SS-Leuten und Schaulustigen eskortierten den Zug streckenweise. Ein Teil der gedemütigten Personen wurde im Gestapogefängnis verhört und weiter zum Gefängnis Lerchesflur gebracht.

Max Hanau

Max Hanau (1875-1938) war einer der Personen, die in der Pogromnacht von SS-Leuten durch die Stadt getrieben, misshandelt und gedemütigt wurden. Er wurde im Gefängnis Lerchesflur festgehalten und schwer misshandelt. Am 13. November 1938 starb Max Hanau an den Folgen dieser Misshandlungen.“

Weitere Infos: 

Zitierte Literatur:

  • Werner Brill, Politischer Stadtführer. Saarbrücken 1933 bis 1945. Saarbrücken 2021, S. 104.

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