Rabbiner-Rülf-Platz und der unterbrochene Wald

„Friedrich Schlomo Rülf (1896-1976) wurde in Braunschweig in eine liberale jüdische Familie geboren und kam 1929 als Rabbi­ner nach Saarbrücken. Damals lebten ca. 2.000 Menschen in der jüdischen Gemeinde. Er war u.a. durch Vortragstätigkeiten und in der Weiterbildung von jüdischen Lehrern aktiv, unterstützte ab 1933 Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich und nahm deswegen im Frühsommer 1933 an einer Hilfskonferenz in Paris teil.

Er gründete in Saarbrücken während des Abstimmungskampfes ein fünfköpfiges Komitee zur Rettung von aus dem Deutschen Reich geflüchteten Juden und war maßgeblich am Römischen Ab­kommen zwischen dem Völkerbund und den Nationalsozialisten am 3. Dezember 1934 beteiligt.

Dadurch konnten die Bewohner, die am 13. Januar 1935 seit mindestens drei Jahren im Saargebiet gemeldet waren, ohne Ein­schränkungen oder Benachteiligung das Saargebiet bis zum 29. Februar 1936 verlassen. Er selbst sah sich durch die Saarabstim­mung vom Januar 1935 gezwungen, nach Palästina zu emigrieren.

Nach 1945 nahm er wieder Kontakt zu den wenigen Juden in Saarbrücken auf und unterstützte den Bau der neuen Synagoge am Beethovenplatz. Er starb 1976.

Im Jahr 2008 befasste sich der Stadtrat von Saarbrücken mit der Erinnerung an Rabbiner Rülf und stimmte der Namensgebung ei­nes Platzes zu. 2013 kam es zur Einweihung des Rabbiner-Rülf-Platzes mit dem Mahnmal „Der unterbrochene Wald“, das aus 40 Bronzestelen besteht, die der Künstler Ariel Auslender entworfen hat. Der Platz an der Berliner Promenade versteht sich als Erinne­rungsort für die während der NS-Herrschaft ermordeten Frauen, Männer und Kinder der jüdischen Gemeinde im Saarland.

Im Laufe der Erörterungen zur Gestaltung des Platzes wurde auch darüber diskutiert, ob die Namen der ermordeten Personen, z. B. an der Mauer zum Saarufer oder auf einem Gedenkstein, aufge­listet werden sollten; die Entscheidung fiel dagegen aus.“

Zitierte Literatur:

  • Werner Brill, Politischer Stadtführer. Saarbrücken 1933 bis 1945. Saarbrücken 2021, S. 144.

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