Bahnhofsstraße 80 - Marie Juchacz

Ein Leben im Zeichen der Gerechtigkeit

„Marie Juchacz (1879- 1956) wurde in ärmlichen Verhältnissen als Tochter eines Zimmermanns und seiner Frau in Landsberg (damals Posen) geboren. Nach der Volksschule arbeitete sie als Zimmermädchen, in einer Fabrik und in einer psychiatrischen Klinik. Sie heiratet den Zimmermann Bernhard Juchacz.

Nach dem Ende ihrer Ehe, aus der zwei Kinder hervorgingen, wechselte sie auf Anregung ihres Bruders nach Berlin und trat dort mit ihrer jüngeren Schwester in die SPD ein. Nachdem sie im Jahr 1908 in den Vorstand der SPD-Neukölln gewählt worden war, gründete sie die 'Arbeitsgemeinschaft für fortgeschrittene und inte­ressierte Frauen'.

Friedrich Ebert (SPD-Vorstand) nahm sie als Sekretärin auf, 1918 wurde sie in die Weimarer Nationalversammlung gewählt und hielt als erste Frau dort eine Rede.

Ihr bedeutendstes sozialpolitisches Engagement ist die Gründung der Arbeiterwohl­fahrt (AWO), die bis zur Selbstauflösung 1933 ca. 130.000 MitarbeiterInnen hatte und über 2.600 örtliche Gruppen. Im März 1933 emigrierte Juchacz ins Saarland und gründete in der Bahnhofstraße 80 eine Pension für Emigranten. Die weitere Flucht führte sie über Südfrankreich nach New York. 1949 kehrte sie nach Deutsch­land zurück, war in Köln noch sozialpolitisch aktiv und starb dort 1956.“

Im Saarland wird an mehreren Stellen an das Leben und Wirken von Marie Juchacz erinnert:

  • Erinnerungsstele in der Bahnhofsstraße 95 (hier wird auch an Johanna Kirchner erinnert)
  • In Dillingen gibt es eine Marie-Juchacz-Straße
  • In Ottweiler gibt es das Marie-Juchacz-Haus, das sich im Marie-Juchacz-Ring 70 befindet.
  • Zudem wird seit 1969 die Marie-Juchacz-Plakette an Menschen vergeben, die sich um die gesellschaftlichen Ziele der Arbeiterwohlfahrt und ihrer Aufgaben in besonderer Weise verdient gemacht haben.

Weitere Informationen zu Marie Juchacz:

  • Eine ausführliche Biografie zu Marie Juchacz findet ihr zum Beispiel auf der Website der AWO.
  • Einen Auszug aus der Rede von Marie Juchacz, die sie 1919 als erste Frau vor der Weimarer Nationalversammlung hielt findet ihr auf der Seite des Deutschen Bundestags.

Zitierter Text:

  • Werner Brill, Politischer Stadtführer. Saarbrücken 1933 bis 1945. Saarbrücken 2021, S. 53.

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