Lagerorganisation

Rechts vom Eingang des Männerlagers am Alstinger Wege befanden sich die Wachposten sowie die Büros der Kommandantur, also die Räume des Lagerleiters, seines Assistenten sowie diejenigen der Lagerverwaltung. Hier wurden verschiedene Listen und Bücher geführt, um die Interna des Lagerlebens zu regeln. Links des Lagereingangs und parallel zur Josef-Brückel-Straße erbaut, lagen die Funktionsbaracken, die die Kleider- und die Lebensmittelkammer, die sog. Effektenkammer, die Küchen sowie den Wasch- und den Desinfektionsraum beherbergten. Im Waschraum befand sich weiterhin noch eine spezielle Vorrichtung, mit deren Hilfe die Prügelstrafen, die offiziell verboten waren, durchgeführt wurden. Die Häftlinge bezeichneten diese Vorrichtung als „Bock“. Vermutlich handelte es sich hierbei um einen Tisch. Auf der dem Lagereingang gegenüberliegenden Seite waren Häftlingsbaracken errichtet, die entsprechend der im Nationalsozialismus praktizierten rassistischen Hierarchisierung von einzelnen Häftlingsgruppen belegt wurden. Es gab demnach in den Baracken gesonderte Abteilungen für Deutsche, Franzosen, Belgier usw. Ein Wachturm, der mit Scheinwerfern und Maschinengewehr ausgestattet war, bildete den Abschluss dieser Lagerseite. Daran angrenzend befanden sich weitere Häftlingsbaracken, in denen sanitäre Anlagen vorhanden waren und später das sog. „Krankenrevier“ eingerichtet wurde. Dieser Barackenkomplex enthielt aber auch gesonderte Arrestzellen für Inhaftierte, die sich nach nationalsozialistischen Maßstäben besonders schwerer Vorgehen schuldig gemacht hatten. Hier sollte ein Häftling jedoch höchsten zwei Wochen inhaftiert bleiben. Die Gestapo aber nutzte diese Zellen auch zur Hinrichtung einzelner Gefangener.

Den Mittelpunkt des Lagers bildete ein Löschteich, der 15 m lang und breit war, ungefähr 1,5 m tief und von einer Art Geländer aus groben Holzbohlen umgeben war. Die Betonwände des Löschteichs waren zur Beckenmitte hin abgeschrägt. Seine eigentliche Funktion bestand darin, Löschwasser für den Fall eines Brandes bereitzustellen. Dies war angesichts des immer stärker werdenden Bombenkrieges eine bautechnisch notwendige Vorgabe, die vor der Ausbreitung eines möglichen Feuers schützen sollte. Die Zweckentfremdung des Teichs durch die Wachleute zu einem Instrument der Folter und des Mordes laufen seiner Schutzfunktion eigentlich entgegen.

Das Lagergelände wurde von mehreren Reihen Stacheldrahtzaun umgeben, der elektrisch geladen war. Zwischen diesen einzelnen Umzäunungen befand sich ein schmaler Weg, auf dem die mit Maschinengewehren bewaffneten Aufseher der Außenwache Patrouille gingen. Beim Dienst der Außenwache kamen die Wachmänner  kaum in Kontakt mit den Häftlingen. Der Führer der Wachmannschaften befehligte jedoch sowohl die Außen als auch die Innenwache.