10.05.2015 07:11 Alter: 3 yrs
Kategorie: Net Nommo, Neues vom LJR

150 junge HelferInnen bei "Buddeln und Bilden" auf der Gedenkstätte "Gestapo-Lager Neue Bremm"




Workcamp des Landesjugendrings Saar erinnerte an den 70. Jahrestag der Befreiung

Seit Jahrzehnten pflegen Jugendliche aus den Mitgliedsorganisationen des Landesjugendrings Saar die Gedenkstätte des ehemaligen Gestapo-Lagers "Neue Bremm" in Saarbrücken. Unter dem Motto "Buddeln und Bilden" halfen am Samstag, 9.Mai, 150 junge TeilnehmerInnen mit, den Erinnerungsort in einem würdigen und anschaulichen Zustand zu erhalten und zu gestalten.

 

So wurde von einer Barackenfläche Gras entfernt und mit Schotter aufgefüllt, damit der Standort besser sichtbar ist. Zudem jäteten die Jugendlichen Unkraut und säuberten den Löschteich.

 

An den einzelnen Standorten der früheren Baracken des erweiterten Polizeigefängnisses der Gestapo bekamen die TeilnehmerInnen einen Eindruck davon, was es hieß, damals von den Nazis verfolgt zu werden. Die meisten jungen HelferInnen kamen von der Jugendfeuerwehr, der THW-Jugend, dem Jugendrotkreuz, der aej saar und dem Cafe Exodus.

Sachkundige und zugleich verständliche Infos zu dem „Gestapo-Lager“ erhielten sie von 14 jungen Engagierten von der Uni Trier. Die Studierenden des Fachs Geschichte hatten ein Konzept erarbeitet, wie die Geschichte des Ortes während des Workcamps anschaulich vermittelt werden kann. Sie standen als "Scouts" den gesamten Tag für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. Darüber hinaus boten sie z.B. über Smartphones  abrufbare Text-, Bild- und Audio-Informationen.

Die Witwe von Alex Deutsch, Doris Deutsch, berichtete eindrucksvoll über die Qualen, die ihr Mann in Auschwitz und in anderen Lagern der Nazi-Gewaltherrschaft erleiden musste. Weiterer Programmpunkt war die Präsentation des Films "Mut zum Leben" von Christa Spannbauer, in dem u.a. die Auschwitz-Überlebende und in Saarlouis geborene Esther Bejarano über ihren Lebensweg berichtet.

Um 14.00 Uhr endete die Aktion mit einer Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung von der Nazi-Herrschaft. Hierzu hatten Jugendliche ein Blumenbeet gepflanzt, in dessen Mitte sie einen selbst gemeißelten Gedenkstein "Nie wieder" setzten.

Tatkräftige Unterstützung gab es von der Saarländischen Jugendfeuerwehr, der THW-Jugend, der aej saar und dem Jugendrotkreuz die gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung, der Initiative Neue Bremm und der Arbeitskammer ebenfalls Kooperationspartner des Landesjugendrings beim Workcamp waren.

Info Gestapo-Lager Neue Bremm
Die im Saarbrücker Schloss residierende Gestapo-Leitstelle Saarbrücken nutzte wegen der Überfüllung der Gefängnisse von Anfang 1943 bis Ende 1944 ein Barackenlager auf der Neuen Bremm als erweitertes Polizeigefängnis. Das mit Stacheldraht und Wachtürmen gesicherte Lagergelände, ca. 150 x 80 Meter groß, mit seinen im Karree angeordneten Gefangenenblocks, Funktionsgebäuden und Wachstuben und je einem in der Mitte des Männer- wie des Frauenlagers befindlichen Löschwasserbassin, lag an der stark frequentierten Straße ins französische Forbach. In der Neuen Bremm wurden sogenannte Arbeitserziehungshäftlinge, politische Gefangene, Transporthäftlinge vor der "Verschubung" in ein Konzentrationslager, "Nacht-und-Nebel-Häftlinge", Kriegsgefangene, Sippenhäftlinge, aus "rassischen" Gründen Verfolgte und auch "Volksgenossen" mit kurzfristigen Disziplinierungs- und Erziehungsstrafen interniert, insgesamt 20.000 Menschen an der Zahl.
Nach neuesten Forschungsergebnissen lag die durchschnittliche Belegung des Lagers bei 600-800 Gefangenen. Die Namen von 82 ermordeten Häftlingen sind bezeugt, die tatsächliche Zahl der Todesopfer dürfte aber beträchtlich höher gewesen sein.

 

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Von: Landesjugendring Saar
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