Gedenkstätte Bahnhof Hollerich, Luxemburg

Gedenkstein Bahnhof Hollerich
Bahnhof Hollerich
Bahnhof Hollerich

1996 wurde im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Luxemburg-Hollerich die Gedenkstätte der Deportation eröffnet


"Zwei Jahre, nachdem Hitlers Truppen am 10. Mai 1940 das neutrale und unbewaffnete Luxemburg überfallen hatten, verkündete Gauleiter Gustav Simon am 30. August 1942 die Wehrpflicht für die Luxemburger der Jahrgänge 1920 bis 1924. Später wurde sie auf die Jahrgänge bis 1927 ausgeweitet. Die luxemburgische Bevölkerung reagierte auf diese Ankündigung am 31. August mit einem landesweiten Generalstreik, der bis zum 3. September andauerte. Die Besatzer schlugen den Streik mit aller Gewalt nieder. Ein Standgericht verurteilte 20 wahllos heraus gegriffene Streikende nach einem formlosen Verfahren zum Tode. Die Urteile wurden im ganzen Land zur Abschreckung auf roten Plakaten bekannt gemacht und bis auf eine Ausnahme im 'SS-Sonderlager Hinzert' vollstreckt. Weiterhin kam es zu zahlreichen Verhaftungen. Insgesamt 125 der Festgenommenen wurden an die Gestapo überstellt.

Rund 10.200 junge Luxemburger wurden in den folgenden Jahren in den Reichsarbeitsdienst und die Wehrmacht gezwungen. Etwa 3.150 von ihnen kehrten nicht wieder zurück. 3.500 entzogen sich dem Dienst in der Wehrmacht durch Untertauchen oder Fahnenflucht.
Vom Reichsarbeitsdienst und vom Kriegshilfsdienst waren auch 3.600 junge Frauen betroffen. Rund 60 von ihnen kamen dabei ums Leben. Nach dem Generalstreik verkündete der Gauleiter Simon am 13. September 1942, alle Luxemburger Familien, die für ihre deutschfeindliche Haltung bekannt waren, an die Ostgrenzen des Deutschen Reichs zwangsumzusiedeln.

Diese Terrormaßnahme sollte zwei Ziele verfolgen:
1. Die 'Umerziehung' der Umgesiedelten im Sinne des Nationalsozialismus.
2. Die Eindämmung der massiven Wehrdienstverweigerungen, da die Familien von untergetauchten Zwangsrekrutierten systematisch in 'Sippenhaft' genommen und aus ihrer luxemburgischen Heimat verschleppt wurden.
Der Besitz der Umgesiedelten wurde beschlagnahmt und die betroffenen Familien zum Bahnhof Hollerich gebracht. Dort mussten sie Züge nach Schlesien und in das Sudentenland besteigen. Der erste von insgesamt 85 Zügen verließ den Bahnhof Hollerich am 17. September 1942. Ingesamt wurden 4.186 Männer, Frauen und Kinder verschleppt. Dabei starben 72 von ihnen.
Vor dem Einmarsch deutscher Truppen lebten nach Schätzungen 4.200 Juden im politisch neutralen Luxemburg. Etwa 3.200 von ihnen waren Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich, Österreich, Polen und anderen zentraleuropäischen Staaten. 1.650 Männer, Frauen und Kinder flüchteten im Mai 1940 beim deutschen Überfall auf Luxemburg nach Belgien und Frankreich. Bis zum Oktober 1941 schoben die Nationalsozialisten rund 1.000 Juden gewaltsam in das unbesetzte Frankreich und nach Belgien ab. Etwa 250 weitere Juden verließen eigenständig das Land. Ab Oktober 1941 wurden aus Luxemburg nachweislich insgesamt 696 Juden in Ghettos sowie Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Nur 56 überlebten den Holocaust und kehrten nach Kriegsende zurück. Aus Frankreich und Belgien wurden rund 500 aus Luxemburg stammende Juden deportiert - nur 16 überlebten.


Am 29. Mai 1996 wurde im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Luxemburg-Hollerich die Gedenkstätte der Deportation eröffnet. Sie steht unter der Schirmherrschaft des Großherzogs von Luxemburg und wird von einer Stiftung getragen. Die Gedenkstätte besteht aus einem Denkmal, einer Ausstellung, einem Filmarchiv mit Projektionsraum und einer Bibliothek. Sie erinnert an das Schicksal der Luxemburger, die während des Zweiten Weltkriegs von den deutschen Besatzern in die Wehrmacht zwangsverpflichtet oder zur Umsiedlung gezwungen wurden und an die Verfolgung, Deportation und Ermordung der luxemburgischen Juden. Die Ausstellung veranschaulicht mit zahlreichen Fotos, Dokumenten und Gegenständen die Schicksale der verschiedenen Deportiertengruppen sowie die entsprechenden historischen Hintergründe. Die vier zentralen Schwerpunkte der Ausstellung lauten:
Einführung in die Geschichte Luxemburgs unter NS-Herrschaft

  • Nationalsozialistische Judenverfolgung in Luxemburg
  • Zwangsrekrutierung zahlreicher Luxemburger zu RAD und Wehrmacht
  • Zwangsumsiedlung von Luxemburgern

Zwei Gedenktafeln am Bahnhofsgebäude und am Bahnsteig sowie ein Denkmal rechts neben dem Gebäude erinnern an die Opfer der Deportationen.

Adresse
Mémorial de la Déportation
Gare Hollerich
3 A, rue de la Déportation
1415 Luxembourg
Luxembourg 

Telefon: 00352-483232
Telefax: 00352-483232 

Öffnungszeiten
Donnerstag von 14.00 bis 17.30 Uhr sowie nach Vereinbarung; geschlossen an Feiertagen; Führungen, begleitende Programme und Filmvorführungen werden nach Absprache angeboten. Der Eintritt ist frei. "

 

Text: http://www.gedenken-in-benelux.de (26.05.2014)