Arbeitserziehungslager Etzenhofen

Etzenhofen
Etzenhofen

Erste Erwähnung laut Zeugenbericht das Frühjahr 1941.


"Unsicher ist, wann es eingerichtet wurde. Das "Verzeichnis der Haftstätten" des Internationalen Suchdienstes gibt für eine erste Erwähnung laut Zeugenbericht das Frühjahr 1941 an. Für diese frühe Datierung sprechen auch die dort angeführten Benennungen "Jugenderziehungslager Völklingen" bzw. "Arbeitslager Völklingen".
Diese Bezeichnungen legen nahe, dass sich in diesem Lager anfänglich nicht nur oder vornehmlich ausländische Zwangsarbeiter befanden. Zeitlich und inhaltlich rückt das Lager Etzenhofen in die Nähe der ersten Arbeitserziehungslager innerhalb des Reichsgebietes, für das Saarland waren dies Hinzert und seine zahlreichen Nebenlager (Polizeihaftlager). Die Funktion dieser Lager, unter den Kriegsbedingungen verschärften Druck auf die arbeitende Bevölkerung auszuüben, war in der Öffentlichkeit bekannt.

Dafür sorgten etliche Zeitungsberichte, so z.B. im Februar 1941 in der Deutschen Allgemeinen Zeitung: "Besonders hartnäckige Bummelanten, die auch durch Verhängung von Schutzhaft oder Gefängnisstrafen nicht zu bessern sind, werden einem Arbeitserziehungslager zugeführt, um ihnen in eindringlicher Form klarzumachen, dass im Kriege jeder seine Arbeitskraft voll einzusetzen hat."


Stärker als gegen die deutschen Arbeitskräfte richteten sich solche Maßnahmen natürlich gegen die ausländischen Zwangsarbeiter. In einem SD-Bericht vom Oktober 1941 wird die Situation in der Völklinger Hütte geschildert: "Die niedrige Arbeitsmoral der Ausländer findet ihren Ausdruck in einer schlechten Arbeitsdisziplin, die sich hauptsächlich in geringer Arbeitsleistung, Arbeitsvertragsbrüchen, zeitweise Arbeitsniederlegung und häufigen Krankmeldungen bemerkbar macht..."
Wie weit Hermann Röchling selbst schon am Zustandekommen des Lagers Etzenhofen beteiligt war, ist unklar. Seine Verteidigungsversuche im Rastatter Prozess 1948, das Lager sei auf Druck Bürckels eingerichtet worden, sind allzu durchsichtig, und stellen keine Entlastung dar. Immerhin hatte der Chef der Völklinger Hütte in seiner Funktion als Vorsitzender der RVE die ausgezeichneten Erfolge des Straflagers für die Arbeitsmoral gepriesen und den anderen saarländischen Industrieunternehmen die Errichtung solcher Lager empfohlen.


Spätestens ab 1943 ist das Arbeitserziehungslager Etzenhofen als unternehmenseigenes Lager erkennbar.
Der Führer des Völklinger Werkschutzes, SS-Obersturmbannführer Rassner, war gleichzeitig Lagerkommandant. Neben ihm zeichnete Wilhelm Rodenhausen, Mitglied der Röchling-Geschäftsführung verantwortlich. Das betriebseigene Lager bot dem Konzern die Möglichkeit, den oft umständlichen Verwaltungsweg über die Gestapo und juristische Organe zu umgehen und den Terror gegenüber den Arbeitern im Betrieb effizienter zu gestalten (zur Praxis des innerbetrieblichen Terrors in der Völklinger Hütte s. dort!).


Zeugenberichte im Rastatter Prozess machen den Lageralltag lebendig:

Durchschnittlich war das Lager mit etwa 50 Häftlingen belegt. Um 4 Uhr morgens war Wecken. Das Frühstück bestand aus maximal 50g Brot. Danach wurden die Gefangenen nach Völklingen transportiert, wo sie 12 Stunden lang anstrengendste und gefährlichste Schwerstarbeit verrichten mussten. Bei nicht erfülltem Tagespensum wurden ihnen abends das Essen gestrichen. Rückkehr ins Lager erfolgte gewöhnlich um 20 Uhr, bei Luftangriffen auf die Bahn konnte es aber auch zu mehrstündigen Verspätungen kommen. Die viel zu kurze Nachtruhe wurde immer wieder durch Strafexerzieren unterbrochen. Zahlreich waren die Methoden der täglichen Quälereien: So ließ man die Häftlinge abwechselnd eiskalt und brühend heiß dusche, traktierte sie im Winter im Freien mit dem Wasserschlauch und veranstaltete zum Amusement der Wachmannschaften Froschhüpfen und Robben. Schläge mit Reitpeitschen, Fußtritte und Bisse durch die Wachhunde gehörten zum Lageralltag ebenso wie ständig neu ausgeheckte, sinnlose Tätigkeiten (Steineklopfen, Schleppen schwerer Lasten von der einen auf die andere Lagerseite). Aufgrund mangelnder Ernährung und brutalster Arbeitshetze war für viele das Ende der mehrmonatigen Erziehungshaft mit der Einweisung ins Krankenrevier verbunden. Das Prinzip der Arbeitserziehungslager war zwar nicht das der "Vernichtung durch Arbeit", aber wie für die anderen dürfte auch für das Lager Etzenhofen die Aussage eines ehemaligen Arbeiterziehungslager-Häftlings zutreffen: "Kam einer von hier zurück, so arbeitete er gewöhnlich so hart wie er nur konnte. Ein Großteil kam nie mehr zurück."

Die Röchlingsche Ausbeutungspolitik hatte im Lager Etzenhofen ihren sichtbaren und greifbaren Ausdruck gefunden. In den von den Spuren des Leidens gezeichneten, in blaue Anzüge mit hellen Phosphorstreifen gekleideten Arbeitserziehungslager-Häftlingen erlebten die Arbeiter der Hütte wie die Einwohner Püttlingens den auch ihnen jederzeit drohenden und alltäglichen Terror. Das Lager bestand bis zur Einstellung des Hüttenbetriebes 1944."

Literatur: Volk, Hermann, Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 4 Saarland, Köln 1989, 49f. 60f.