Gedenkstein für die Demonstration von 1934 in Sulzbach

Sulzbach
Sulzbach

Die für die Saarländer größte je erlebte politische Massenveranstaltung fand in der Presse des freien Europa große Beachtung.

"Den Höhepunkt des Abstimmungskampfes [der Status-quo-Anhänger] in Sulzbach bildete jedoch die große Demonstration am Reichsbannerheim am 26. August 1934. Der Termin war bewusst gewählt. An diesem Tag waren 126.000 Saarländer mit Sonderzügen nach Koblenz zu einer Kundgebung mit Hitler gefahren. Die Antifaschisten wollten dem ein Zeichen setzen.

60.000 Menschen aus allen Teilen des Saargebietes und teilweise aus dem Reich hatten sich auf eigene Kosten aufgemacht, um im Waldgebiet beim Reichsbannerheim zur bis dahin größten antifaschistischen Demonstration der Saarländer zusammenzukommen. Allein aus Sulzbach kamen über 3.000 Teilnehmer. Julius Schneider, damals Mitglied der Sulzbacher SPD erinnert sich an die Vorbereitungen: "Da haben wir die Köpfe zusammengesteckt. Zuerst einmal in Sulzbach zwischen den Sozialdemokraten, dann haben wir die Kommunisten dazugenommen, und dann wurden andere Organisationen herbeigezogen wie die Arbeiterwohlfahrt oder die Arbeitersportler... Dann kam es zu Beschlüssen sowohl im Vorstand der SPD in Saarbrücken und bei den Kommunisten auch... und wir haben damals entworfen, wie das Ganze vor sich gehen sollte."
Um 15.40 eröffnete der BAV-Sekretär und Sulzbacher SPD-Vorsitzende Richard Kirn die Kundgebung. Als erster Redner sprach der KPD-Vorsitzende Fritz Pfordt. Ihm folgte zur allgemeinen Überraschung Pater Hugolinus Dörr, der großen Beifall für sein Worte erhielt: "Ich stehe hier als Lückenbüßer. Hier ist eine Lücke! Hier müssten heute die besten Vertreter meines Standes stehen. Es handelt sich um dich, um Deinen Glauben. Darum niemals zu Hitler! Frei die Saar!"
Erich Weinert, der aus Forbach gekommen war, trug sein Gedicht vor "Einheitsfrontwache". Ein großer, aus Sozialdemokraten und Kommunisten gebildeter Massenchor sang Eislers "Einheitsfrontlied" und andere Arbeiterlieder. Die Sulzbacher Agit-prop-Gruppe "Rote Funken" rezitierten Tucholsky und Kästner. Max Braun stellte in seiner Rede das Ziel eines freien Saarstaates nach dem Sieg des Statusquo vor. Gemeinsam sprachen die 60.000 den "Sulzbacher Schwur": "Nie wird die Saar an Hitler fallen! Nie sollen Hunger, Knechtschaft, Mord und Krieg, nie Brand und Barbarei das Saarvolk geißeln! Wir wollen frei sein! Frei! Frei! Frei!"

Die Kundgebung schloss um 19.00 Uhr mit dem "Roten Saarlied" von Erich Weinert. In der Presse des freien Europa fand die Sulzbacher Demonstration große Beachtung und Sympathie. Für die Saarländer selbst war sie die größte je erlebte politische Massenveranstaltung.

Am 26.8.1986 wurde am ehemaligen Platz der Sulzbacher Kundgebung unter Anwesenheit von Richard Kirn ein Gedenkstein enthüllt mit der Aufschrift: "Am 26. August 1934 versammelten sich hier 60.000 Antifaschisten aus allen Teilen des unter Völkerbundverwaltung stehenden Saargebietes, um gegen die Nazi-Diktatur zu demonstrieren, die unsere Heimat bei der Rückkehr zu Deutschland 1935 drohte!" "

Lage: beim Schießstand oberhalb des Friedhofs

Literatur: Volk, Hermann, Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 4 Saarland, Köln 1989, 64.

letzte Änderung: BW 06.02.2007