Zwangsarbeiterlager auf dem Gelände der Grube Dilsburg, Heusweiler

Grube Dilsburg
Grube Dilsburg

Auf der seit 1931 stillgelegten Grube Dilsburg richteten die Saarbergwerke eines der ersten Zwangsarbeiterlager für verschleppte Bergleute aus der Sowjetunion ein.

"Die Zwangsarbeiter sollten in der Grube Göttelborn, in der Westfeldanlage in Holz und in Püttlingen eingesetzt werden. Hauptsächlich wurden die vorhandenen Bauten im Umkreis des Maschinenhauses genutzt, es wurde aber noch zumindest eine Baracke aufgebaut, um Platz für etwa 1000 Zwangsarbeiter zu schaffen. Zurückzuweisen ist das beschönigende Bild, das noch in dem 1982 erschienenen Buch von Elmar Meier "So erlebte Heusweiler den Zweiten Weltkrieg" gezeichnet wird, als seien die Quartiere der Zwangsarbeiter "nicht weniger recht und schlecht, als dies bei den deutschen Soldaten de Fall war" gewesen. Hieraus spricht zu sehr der Versuch der Selbstentschuldigung nach dem Muster "Es ging uns schließlich allen schlecht". Die brutale Unmenschlichkeit, der die Zwangsarbeiter ausgesetzt waren, erhellt allein aus den Sterberegistern des Standesamtes Heusweiler. Von den hier erfassten 137 umgekommenen Zwangsarbeitern starb kein einziger eines natürlichen Todes oder bei einem Arbeitsunfall. Die angegebenen Todesursachen weisen auf ganz anderes hin: "Allgemeine Schwäche, Kräfteverfall, Scorbut, Hungerödem, Lungentuberkulose, Darmkatarrh". Diese Krankheitsbilder haben ausschließlich die brutalste Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft bei gleichzeitigem Ernährungsmangel und übelsten hygienischen Verhältnissen zum Grund.
Seit August 1942 vergeht kein Monat im Zwangsarbeiterlager Dilsburg, in dem nicht Tote zu beklagen wären. Am 30.10.1943 erträgt der eben 20jährige Pawel Kaftur aus Poltawa dieses Elend nicht mehr und erhängt sich selbst.
Scham und Zorn müssten eigentlich jeden erfüllen, der bei Elmar liest: "Die Betten bestanden aus Strohsäcken und Wolldecken. Das Essen hätte natürlich etwas besser sein können, wenn man bedenkt, dass die Leute doch Schwerstarbeit verrichten mussten... Ansonsten wurden die russischen Arbeiter - so gut es ging - entsprechend versorgt."
Die "Richtlinien" hatte Hermann Göhring am 7. November 1941 festgelegt: "Die deutschen Facharbeiter gehören in die Rüstung; Schippen und Steineklopfen ist nicht ihre Aufgabe, dafür ist der Russe da...Ernährung Sache des Vierjahresplanes. Schaffung eigener Kost (Katzen, Pferde usw.). Kleidung, Unterbringung, Verpflegungetwas besser als zu Hause, wo Leute zum Teil in Erdhöhlen wohnen." Auf diese "Richtlinien" gestützt, erklärte 1943 Fritz Sauckel, der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz: "Ich hole das Letzte aus ihnen heraus, ich lasse sie hungern und frieren und lasse sie im Dreck und Schnee zehn Stunden am Tag und mehr arbeiten."
So wundert es nicht, dass mit der Ende 1943 brutal gesteigerten Arbeitshetze der "totalen-Kriegs"-wirtschaft die Todesziffern in die Höhe schnellten: Dezember 1943 fünf Tote, Januar 1944 zwei, Februar  16, März 18, April 10, Mai 11 und so weiter bis zum Herbst, wo eine Umstrukturierung des Zwangsarbeitereinsatzes erfolgte.
Aus dem Bereich der "Westmark" mussten 12500 ausländische Arbeitskräfte ins Rheinland überführt werden. Zudem wurden etliche Gruben aufgrund der zunehmenden Bombenangriffe stillgelegt und immer mehr Zwangsarbeiter wurden zu Schanzarbeiten am Westwall abgezogen. Dies betraf auch das Lager Dilsburg.
Es wurde Ende 1944 aufgelöst und nach Göttelborn verlegt. In Dilsburg blieb nur das Krankenlager.

Literatur: Volk, Hermann, Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 4 Saarland, Köln 1989, 55f.