Lager für 'Displaced Persons' in der Kaserne in Lebach

frühere Kaserne, heute Schule für
frühere Kaserne, heute Schule für

Im März/April 1945 wurde in der Kaserne in Lebach ein Sammellager eingerichtet

"Im März/April 1945 wurde durch die alliierten Verbände in der Kaserne in Lebach ein Sammellager für die ausländischen Zwangsarbeiter eingerichtet, um so ihre Repatriierung zu organisieren. Im Laufe des Jahres 1945 wurden hier mehrere Tausend polnische und sowjetische Bürger (zeitweise bis zu 10.000) aus den verschiedensten Lagern und Orten der näheren und weiteren Umgebung unter französischer Betreuung interniert (ein zweites Lager dieser Größe war in den Bülowkasernen in Saarbrücken).
Frankreich hatte hinausgehend über die Beschlüsse von Jalta mit der Sowjetunion ein eigenes Abkommen getroffen, für die Sammlung und Rückführung der Deportierten in ihre Heimat zu sorgen. Doch verbesserte sich das Los der ehemaligen Zwangsarbeiter dadurch nicht zwangsläufig. Die Bedingungen, unter denen die 'DP' (Displaced Persons = Heimatlose) leben mussten, schildert ein zeitgenössischer Bericht: 'In jedem besichtigten Lager wurden, wenn auch graduell unterschiedlich, ein ernsthafter Mangel an Heizstoffen, Medikamenten, Seife und Kleidung festgestellt. Bemerkt wurden TB, Geschlechtskrankheiten, Erkrankungen der Haut und der Augen. Angebote für Freizeit und Bildung wurden als nicht existent berichtet ...'.
Diese Berichte lassen sich auf für Lebach an Einzelbeispielen bestätigen. So mussten sich die Lagerinsassen Teer aus dem nahegelegenen Schwimmbad holen, um der Kälte Herr zu werden. Die vielfältigen Mängel in der Versorgung machten sich besonders bei zwei Gruppen bemerkbar: bei den bis an die Grenze der physischen Vernichtung ausgebeuteten sowjetischen Männern und bei den Säuglingen und Kleinkindern, die zum Teil geboren von todkranken Müttern jeglicher Lebenskraft entbehrten. Unter den namentlich registrierten 26 Toten sind 11 sowjetische Männer (der jüngste 19 Jahre) und 10 Säuglinge. Wie hoch die wirkliche Anzahl der Toten ist, wissen wir aufgrund der lückenhaften Verzeichnisse der Gemeinde nicht. Ein Einzelschicksal ragt aus der Anonymität heraus: Auf den kleinen Namenstafeln des Gräberfeldes auf dem städtischen Friedhof findet sich der Name Janina Sienkiewicz ohne jede weitere Angabe. Abseits am Rande des Feldes liegt achtlos der Torso eines Grabsteines, den wohl die Eltern ihrer am 19.7.1946 verstorbenen Tochter errichtet haben. Die Inschrift lautet: 'Lobet die Kinder Gottes. Die im Unglück um Hilfe bittenden Mütter'."

Foto: Landesbildstelle Nr. LPM_Klippel_1266

Literatur: Volk, Hermann, Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 4 Saarland, Köln 1989, 121

letzte Änderung: BW 12.09.2006