Zwangsarbeiterlager der Firma GOMA in Mariahütte

Maria Hütte
Maria Hütte
Herr von Beulewitz 1956
Herr von Beulewitz 1956

Hinzerter Häftlingen aus Luxemburg mussten während des Krieges in Mariahütte arbeiten; auf die KZ-Häftlinge folgten dann ausländische Zwangsarbeiter

"Die zweite 'NS-Größe' war Baron von Beulewitz, Besitzer der Gusseisenfabrik in Mariahütte. Von Haus aus deutschnational, schwenkte er sehr früh auf NSDAP-Linie. ...

Über Kontakte zwischen den deutschen Arbeitern und Hinzerter Häftlingen aus Luxemburg, die während des Krieges in Mariahütte arbeiten mussten, berichtet der Luxemburger Armand Boever (seit 18.9.1941 im KZ Hinzert): 'Aus der Gießerei Mariahütte brachten wir einige Male Hostien mit für Pfarrer Kemp, der sie für seine heimlichen Mitternachtsmessen brauchte. Gott weiß, wie er mit dem Dorfpfarrer in der Nähe der Gießerei in Verbindung gekommen war. Abends, beim Weggehen, steckte der deutsche Arbeiter Jakob das kostbare Gut in eine Tasche der Häftlingsmäntel, die in der Kleiderbaracke am Fabrikeingang hingen.' Es ist unklar, ob es sich im genannten Fall um den Pfarrer von Braunshausen gehandelt hat. ...
Zwei ... Arbeitskommandos aus Hinzert waren in der Gusseisenfabrik GOMA in Mariahütte eingesetzt. Offizielle Angaben belegen die Existenz der Arbeitskommandos 'Mariahütte I und II' mit einer Stärke von je 30 Mann für den Zeitraum von Dezember 1941 bis März 1942. Jedoch findet schon am 10.6.1941 ein 'Arbeitskommando Mariahütte' mit 20 Häftlingen Erwähnung in einer Stärkemeldung des Hinzert-Kommandanten Pister. Die Hinzerter Häftlinge müssen auch noch nach dem März 1942 in der Fabrik tätig gewesen sein. Im Sommer 1941 mussten die Hinzerter Häftlinge auf dem Betriebsgelände ein altes Werk abreißen, um Platz zu schaffen für den Ausbau der Fabrikanlage. Der Luxemburger Albert Hommel, der am 8.4.1942 nach Hinzert kam und ab Juni 1942 täglich mit dem Zug ab Reinsfeld zusammen mit anderen Häftlingen des Kommandos nach Otzenhausen fuhr, berichtet: 'Die GOMA-Werke waren ein Gießereibetrieb, der für Küppersbusch Koch- und Gasherde herstellte, dazu Motorengehäuse für verschiedene Marken, Waffeleisen und dergleichen. Die Fabrik wurde damals ausgebaut und unser Kommando arbeitete hauptsächlich bei Transport, Verladen und dann auch beim Bau ...' ...
Auf die KZ-Häftlinge folgten dann ausländische Zwangsarbeiter, für die ein eigenes Barackenlager eingerichtet wurde, 3 oder 4 Baracken im Firmenbereich mit 140 Insassen."

Fotos: Landesbildstelle Nr. LPM_Klippel_1288 und LPM00000608_01

Literatur: Volk, Hermann, Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 4 Saarland, Köln 1989, 169.171.

letzte Änderung: BW 29.11.2006