Zwangsarbeiterunterkunft in Primstal

Primstal
Primstal

"Gefangenenlager Primstal" mit Zwangsarbeiterunterkunft im Gasthaus Dellwing

"In Sitzerath und Primstal (Ortsteil Mühlfeld) wurden 1939/40 Freibäder angelegt, die als Brandweiher im Kriegsfall geplant waren. Das Freibad Primstal, am Südhang des Handenberges gelegen, in direkter Nähe der Bahnlinie Wadern-Nonnweiler, stand noch in einem anderen Zusammenhang. Wie im gesamten Primstal wurden auch hier Entwässerungsarbeiten, Flussbettregulierungen u.ä. im Kontext militärischer Planungen durchgeführt (sogenannte 'Panzersperren'). Im Sommer 1942 war ein Arbeitskommando aus Hinzert damit beschäftigt, die Uferböschung der Prims zu befestigen. Ein für den Frankreichfeldzug provisorisch angelegter Flugplatz wurde wieder beseitigt und Vorbereitungen für eine Flussstauung getroffen. Die Durchschnittsstärke des Hinzerter Akdo im Primstal betrug 75 Häftlinge. Über die Bedingungen ihres Einsatzes berichtet Augusto Mione, ein italienischer Antifaschist aus Luxemburg: 'Die Außenkommandos verließen schon zum Teil in den frühesten Morgenstunden das Lager, um ihre weit entfernten Arbeitsstätten zu erreichen ... Es war ein trauriger Zug, wenn abends die Kameraden der Außenkommandos heimkehrten. Vollständig ausgepumpt und zum Umfallen müde, bei schlechtem Wetter bis auf die Haut durchnässt und vor Kälte zitternd, hohlwangig, auf den Knien wankend und halbverhungert ...'
Neben den Hinzerter Häftlingen waren in Primstal französische Kriegsgefangene und IMl's eingesetzt. Untergebracht waren die Gefangenen im Jugendheim und im Gasthaus Dellwing. Der Franzose Jean Deleen aus dem 'Gefangenenlager Primstal' starb am 27.3.1944 im Hermeskeiler Krankenhaus im Alter von 24 Jahren an angeblicher 'Herzlähmung'. Ein Italiener mit dem Nachnamen Dicateria starb am 27.12.1944 bei einem Fliegerangriff auf die Eisenbahnanlagen bei Nonnweiler, wo er zu Zwangsarbeiten eingesetzt war."

Literatur: Volk, Hermann, Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 4 Saarland, Köln 1989, 169f.

letzte Änderung: BW 29.11.2006