Gräber von Zwangsarbeitern in Ormesheim

Neumühler Hof/Neumühle 1961
Neumühler Hof/Neumühle 1961

Auf dem alten, jetzt aufgelassenen Friedhof auf der Ostseite der Allmendstraße stehen zwei Holzkreuze,  welche die Grabstätte von zwei Russengräbern angeben

"Anfang Mai 1942 waren mehrere sowjetische Zwangsarbeiter aus dem Lager der 'Schneiderwerke' in St. Ingbert geflohen. Suchaktionen führten nicht sofort zum Erfolg. Unter den Flüchtlingen, die sich in den Wäldern der Umgebung versteckten, waren auch der ukrainische Ingenieur Michailew Alexandrow und Iwan Iwlew. Am 14.5.1942 wurden die beiden im Wald bei Neumühle von den Verfolgern gestellt. Noch 1959 übernahm das 'Ommersheimer Heimatbuch' die in ihrer Abstrusität unglaubliche faschistische Darstellung der Ereignisse: 'Es stellte sich heraus, daß dieser (Alexandrow, H.V.) seinen mit ihm entwichenen Kameraden, der so schwach war und nicht mehr mitkommen konnte, ermordet hatte und Teile von ihm verspeist hatte. Teile der Leiche wurden auf der Ormesheimer Gemarkung gefunden.' ... Neben Iwan lwlew liegt ein zweiter sowjetischer Zwangsarbeiter in Ormesheim an der Pfarrkirche begraben. Über ihn heißt es noch 1980: 'Der zweite Russe starb beim Einmarsch der Amerikaner durch eine Schussverletzung in Ormesheim.' Mirow Demidow, geb. am 13.8.1892 wurde am 15.3.1 945 in Ormesheim-Hüglingen erschossen. Die Eintragung im Sterberegister weist ihn als 'zuletzt wohnhaft in Hagendingen Lothringen, Ostarbeiterlager' aus. In Hagondange war eines der großen Zwangsarbeiterlager im Umkreis der lothringischen Erzgruben und Hüttenwerke im Thionville. Mit der näherrückenden Front wurden diese Lager Ende 1944 ins Reichsinnere evakuiert. Bei den von SS und Wachmannschaften geleiteten Rückmärschen wurden viele der völlig entkräfteten und marschunfähigen Zwangsarbeiter am Weg ermordet oder 'auf der Flucht erschossen'. Teilweise kam es bei Auflösung der Lager auch zu erfolgreichen Fluchtversuchen. Wir wissen nicht, unter welchen Umständen Mirow Demidow von Hagondange nach Ormesheim gelangt ist. Es darf jedoch als einigermaßen sicher angenommen werden, dass sein Tod nicht aus amerikanischen Gewehrläufen kam. Die Anmerkungen der Gemeinde von 1980 zum Schicksal der beiden Toten lwlew und Demidow korrespondieren in ihrem Lapidarstil der brutalen Realität, von der sie sprechen: 'Auf dem alten, jetzt aufgelassenen Friedhof auf der Ostseite der Allmendstraße stehen noch zwei Holzkreuze,  welche die Grabstätte von zwei Russengräbern angeben ... Fotos sind nicht vorhanden. Die Grabkreuze tragen keinerlei Inschriften.'"

Literatur: Volk, Hermann, Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 4 Saarland, Köln 1989, 150f.

letzte Änderung: BW 28.11.2006