Koßmannstraße in Eppelborn

Am 17. Juni 1952 ernannte die Gemeinde Eppelborn Bartholomäus Koßmann zu Ihrem Ehrenbürger. Außerdem erhielt die Straße nach Habach seinen Namen.

 

"Eppelborn war in der Umgegend als 'die schwarze Eck' bekannt. In dem von Bergarbeitern und Bauern geprägten Ort hatte das Zentrum eine seiner Hochburgen. Dies rührte noch aus den Anfangsjahren der Arbeiterbewegung an der Saar. Im Vergleich zum Reichsgebiet hatten sich die linken Arbeiterparteien SPD und KPD im Saarland erst recht spät entwickeln können und mussten von Anfang an gegen ein aus der katholischen Tradition des Saargebietes resultierenden starkes Zentrum ankämpfen, das sich mit Hilfe der katholischen Arbeitervereine und St. Barbara-Bruderschaften vor allem unter den Bergleuten einflussreiche Positionen schaffen konnte.
In diesem Milieu wuchs der am 2.10.1883 in Eppelborn geborene Bartholomäus Koßmann heran. Wie viele seiner Mitbürger begann er als Bergmann auf Grube Camphausen. Geprägt durch die katholische Soziallehre des Mainzer Bischofs Ketteler engagierte er sich früh in den Christlichen Gewerkschaften und in der Zentrumspartei. Als jüngstes Mitglied des Reichstages vertrat er seit 1912 die lnteressen seiner Partei in Berlin. Von 1922-24 fungierte er als Präsident des Landesrates. Seit 1924 gehörte er als saarländischer Vertreter der Regierungskommission des Völkerbundes an. Schon vor 1933 stand Koßmann in Verbindung mit dem Saarreferenten im AA Berlin, Legationsrat Hermann Voigt. Als die Nazis an die Macht kamen, wurden diese Verbindungen nicht unterbrochen, sondern angesichts der bevorstehenden Saarabstimmung noch intensiviert. Koßmann sah auch unter den veränderten Bedingungen der faschistischen Diktatur keine Probleme, sich als Befehlsempfänger der Reichsregierung zu verstehen. Wie seine Parteifreunde opferte er bereitwillig die eigene parteipolitische und gewerkschaftliche Freiheit den lnteressen der faschistischen 'Machtergreifung' an der Saar.
Am 12.5.1933 fuhr er eigens zu einer persönlichen Unterredung mit Hitler nach Berlin. Wenn die späteren Darstellungen Johann Hoffmanns stimmen sollten, es sei bei dieser Gelegenheit zu einem erregten Disput über die Judenfrage gekommen, hätte konsequenterweise das Verhalten Koßmanns in der Folgezeit nicht so aussehen dürfen, wie es tatsächlich aussah: Am Zustandekommen und der Politik der Deutschen Front hatte er entschiedenen Anteil. Seinem Einfluss in Eppelborn ist es schließlich zu verdanken, dass die DF hier einen ihrer größten Wahlerfolge im Saargebiet erringen konnte: 97,6O/0 stimmten für den Anschluss an Nazi-Deutschland. Die innere Distanzierung des Konservativen Koßmann vom Faschismus erfolgte nur langsam. Späte Kontakte zu den Widerstandsgruppen um Carl Goerdeler brachten ihm am 22.7.1 944 die Verhaftung durch die Gestapo ein. Sieben Monate saß er in Einzelhaft gefangen, bevor er vor den VGH in Berlin geladen wurde. Dort wurde er schließlich wegen Beweismangels freigesprochen.
Am 17. Juni 1952 ernannte die Gemeinde Eppelborn B. Koßmann zu Ihrem Ehrenbürger. Außerdem erhielt die Straße nach Habach seinen Namen."

Literatur: Volk, Hermann, Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 4 Saarland, Köln 1989, 95f., 1 Abb.

 letzte Änderung: BW 27.11.2006